Richard von Krafft-Ebing

Nationalität
Deutsch
Geboren
14.08.1840

Richard von Krafft-Ebing (1840–1902) war ein einflussreicher deutscher Neurologe und Psychiater, der sich intensiv mit Sexualstörungen und -abarten auseinandersetzte. Geboren in Mannheim, studierte er Medizin und wurde Professor für Psychiatrie in Straßburg und Wien, bevor er 1889 nach Graz berufen wurde. Als Gerichtsgutachter begegnete er zahlreichen Fällen abweichender Sexualität, die er wissenschaftlich analysierte.

Sein Hauptwerk Psychopathia sexualis (1886) gilt als Meilenstein der Sexualwissenschaft. Darin beschrieb er ausführlich Perversionen wie Sadismus, Masochismus, Fetischismus und Homosexualität, basierend auf Hunderten von Fallstudien. Krafft-Ebing pathologisierte viele Formen nicht-heterosexueller Orientierungen, sah sie jedoch oft als angeborene Anomalien und plädierte für Verständnis statt Bestrafung. Dieses Buch beeinflusste die Debatte um Sexualität im 19. Jahrhundert enorm und ebnete den Weg für spätere Forschung.

Im LGBT-Kontext ist Krafft-Ebing ambivalent: Er klassifizierte Homosexualität als 'Entartung', doch seine detaillierten Beschreibungen machten queere Lebensweisen sichtbar und dienten der Magnus-Hirschfeld-Bewegung als Grundlage für die Entpathologisierung. Sein Werk Verirrungen des Geschlechtslebens vertieft diese Themen weiter.

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