- Autor
- Sarah Waters, geb. 1966
- Genre
- Roman
- Erscheinungsjahr
- 2014
- Seiten
- 576
- ISBN
- 9782278045297
„Der Besucher“ von Sarah Waters ist ein atmosphärischer Roman, der in den Nachkriegsjahren 1940er in England spielt. Im Zentrum steht das prächtige Anwesen Hundreds Hall, Wohnsitz der verwitweten Mrs. Ayres und ihrer erwachsenen Kinder Roderick und Caroline. Der Landarzt Dr. Faraday wird zu einem Notfall gerufen und fühlt sich sofort von der verfallenden Pracht des Hauses angezogen, das mit seiner Kindheitserinnerung verbunden ist. Bald häufen sich unheimliche Vorfälle: Möbel bewegen sich von allein, kryptische Zeichen erscheinen an den Wänden, nächtliche Geräusche und Klingelzeichen ohne Ursache sorgen für wachsende Panik in der Familie.
In dieser gotisch anmutenden Geschichte thematisiert Waters subtil den Niedergang des britischen Landadels inmitten gesellschaftlicher Umbrüche. Der Ich-Erzähler Faraday verstrickt sich immer tiefer in das Schicksal der Ayres, während das Haus selbst zur bedrohlichen Präsenz wird. Obwohl keine expliziten homosexuellen Beziehungen im Vordergrund stehen, ist der Roman für LGBT-Leser relevant durch Waters’ sensible Darstellung sozialer Normen, unterdrückter Emotionen und der Figur des unerklärlichen „Besuchers“, der mit queeren Untertönen von Verlangen und Verbot assoziiert wird. Das Werk fasziniert durch psychologische Tiefe und Spannung, die bis zur letzten Seite anhält.
Queerer Bezug: Sarah Waters, bekannt für ihre queeren Historienromane, webt in „Der Besucher“ subtile homoerotische Spannungen und Themen unterdrückter Begierden ein, insbesondere durch die ambivalente Beziehung des Erzählers Faraday zu den Ayres. Der Roman beleuchtet soziale Normen der 1940er, die queere Identitäten unsichtbar machten.