Die Stunde der Empfindsamkeit

Autor
Michael Cunningham, geb. 1952
Genre
Roman
Erscheinungsjahr
1998
Seiten
256

„Die Stunde der Empfindsamkeit“, der deutsche Titel von Michael Cunninghams Roman „The Hours“, verwebt die Lebensgeschichten dreier Frauen über drei Epochen hinweg: Virginia Woolf in den 1920er Jahren in England, Laura Brown in den 1940er Jahren in Los Angeles und Clarissa Vaughan im zeitgenössischen New York. Jede von ihnen ringt mit den Fesseln des Alltags, der Unterdrückung weiblicher Sehnsüchte und der Anziehungskraft des Todes, inspiriert von Woolfs „Mrs. Dalloway“. Virginia schreibt ihren Roman, während sie mit geistiger Instabilität kämpft; Laura, eine unzufriedene Hausfrau, liest ihn und erträumt ein anderes Leben; Clarissa pflegt ihren sterbenden Freund Richard.

Der starke LGBT-Bezug zeigt sich in Clarissas lesbischer Beziehung zu ihrer Partnerin Sally und vor allem in Richards Homosexualität, die von AIDS gezeichnet ist. Cunninghams Werk thematisiert schwule Liebe, Verlust und die Suche nach Identität sensibel und einfühlsam. Als Pulitzer-Preisträger beleuchtet der Roman die Verbundenheit von Leben, Literatur und emotionaler Tiefe, macht die inneren Konflikte der Figuren greifbar und feiert die Empfindsamkeit als Akt des Widerstands gegen gesellschaftliche Normen.

Queerer Bezug: Das Buch thematisiert lesbische Beziehungen durch Clarissa Vaughan und schwule Erfahrungen sowie den AIDS-Tod des schwulen Poeten Richard. Es beleuchtet queere Identität, Liebe und gesellschaftliche Ausgrenzung in sensibler Tiefe.