Das Buch zeigt die homoerotische Verliebtheit der Protagonistin Frankie in die Braut ihres Bruders sowie ihre Geschlechterrollensuche, was es zu einem frühen Beispiel queerer Literatur in den USA macht. Carson McCullers verarbeitet darin eigene bisexuelle Erfahrungen.
„Frankie“ von Carson McCullers, erstmals 1946 veröffentlicht, erzählt die Geschichte der zwölfjährigen Frankie Addams, die in einer stickigen Kleinstadt im Süden der USA lebt. Frankie fühlt sich isoliert und sehnt sich brennend danach, dazuzugehören. Der Höhepunkt ihrer Sehnsucht ist die Hochzeit ihres älteren Bruders Jarvis mit seiner Braut Janice. Frankie will mit ihnen in die Flitterwochen reisen und ruft verzweifelt „Nehmt mich mit!“, doch sie wird zurückgelassen. In ihrer Verzweiflung schmiedet sie wilde Pläne, wie die Teilnahme an einem Krieg oder die Flucht in ein fremdes Land.
Der Roman beleuchtet Frankies Reifeprozess, geprägt von Einsamkeit, Identitätssuche und ersten sexuellen Erweckungen. Besonders der LGBT-Bezug zeigt sich in ihrer intensiven, ambiguen Verliebtheit in die Braut Janice, die als erste homoerotische Anziehung einer Protagonistin in der US-Literatur gilt. Frankie experimentiert zudem mit Geschlechterrollen, trägt Jungenkleidung und sucht Nähe zu einem jüngeren Jungen. McCullers, selbst bisexuell, webt queere Themen subtil ein und macht „Frankie“ zu einem Meilenstein der queeren Literatur, der Adoleszenz und nicht-normative Sehnsüchte eindringlich porträtiert.
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