Obwohl kein direkter LGBT-Bezug vorhanden ist, verkörpert Melmoths ambivalente, ausgestoßene Figur mit ihrer teuflisch-menschlichen Dualität und verbotenen Leidenschaften queere Gothic-Elemente. Seine tragische Dynamik mit Isidora evoziert Themen von Verbotenem und Marginalisierung.
Melmoth der Wanderer von Charles Robert Maturin, erschienen 1820, ist ein Meilenstein der Schwarzen Romantik und gilt als bester englischsprachiger Schauerroman. Der Protagonist John Melmoth hat einen faustischen Pakt mit dem Teufel geschlossen, der ihm 150 Jahre Wissen und langes Leben gewährt, doch nun muss er eine Ersatzseele finden, um seine eigene zu retten. In verschachtelten Erzählungen irrt er durch die Welt, sucht verzweifelte Menschen in Klöstern, bei der Inquisition oder auf ferner Insel und verführt sie mit sarkastischer Leichtfertigkeit, doch niemand nimmt sein Angebot an.
Der Roman kritisiert gesellschaftliche Heuchelei und religiösen Fanatismus. Obwohl kein expliziter LGBT-Bezug vorliegt, fasziniert Melmoths ambivalente Figur – hin- und hergerissen zwischen Mitleid und Zynismus, teils menschlich, teils dämonisch – als Vorläufer queerer Gothic-Charaktere. Seine heimliche, tragische Verbindung zu Isidora, die mit Kind in den Fängen der Inquisition stirbt, unterstreicht Themen verbotener Leidenschaften und Ausgestoßenheit, die in der LGBT-Literatur resonanceieren.
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