- Autor
- Thomas Mann, geb. 1875
- Genre
- Roman
- Erscheinungsjahr
- 1897
- Seiten
- 64
Thomas Manns Novelle 'Narziss und Psyche' aus dem Jahr 1897 erzählt die leidenschaftliche und tragische Geschichte zweier junger Menschen in der ungarischen Provinz des 19. Jahrhunderts. Narziss, ein intelligenter, aber innerlich zerrissener Student, verliebt sich hoffnungslos in die temperamentvolle Psyche, die Tochter eines Freiherrn. Ihre Beziehung ist geprägt von intensiver Erotik, Eifersucht und Konflikten: Narziss, von Syphilis gezeichnet, kämpft mit seiner Sexualität und verliert sich zunehmend in narzisstischer Selbstbespiegelung, während Psyche zwischen Anziehung und Abstoßung schwankt. Nach einem Ball, auf dem Psyche mit anderen flirtet, eskaliert die Spannung; Narziss verletzt sie tief, und im Nebel eines Waldes finden sie sich nicht mehr. Am Ende erblickt Narziss sein Spiegelbild im Wasser und erkennt seine Isolation.
Der **LGBT-Bezug** liegt in der homoerotischen Unterströmung: Narziss' Selbstbegehren und seine Verleugnung des weiblichen Körpers deuten auf queere Identitätskonflikte hin, die Manns eigene Ambivalenzen widerspiegeln. Die Novelle ist bedeutend als frühes Werk Manns, das mythische Motive mit psychologischer Tiefe verknüpft und Themen wie Begehren, Geschlecht und Selbstzerstörung erforscht, lange vor 'Der Tod in Venedig'.
Queerer Bezug: Die Novelle thematisiert homoerotisches Selbstbegehren durch Narziss' narzisstische Isolation und Verleugnung des heterosexuellen Körpers. Sie spiegelt Thomas Manns eigene queere Konflikte wider und gilt als Vorläufer seiner späteren homoerotischen Werke.