Das Buch hat keinen direkten LGBT-Bezug, wird jedoch in der Queer-Theorie aufgegriffen, da Foucaults Analyse von Disziplinierung und Normierung die Kontrolle sexueller Identitäten und Abweichungen in modernen Gesellschaften erklärt.
„Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses“ von Michel Foucault, erstmals 1975 veröffentlicht, analysiert den historischen Wandel der Strafjustiz vom 18. zum 19. Jahrhundert. Foucault kontrastiert die spektakulären öffentlichen Hinrichtungen und Folterpraktiken der absolutistischen Epoche – wie die grausame Exekution des Vatermörders Damiens 1757 – mit dem Aufkommen subtiler Disziplinierungsmechanismen. An die Stelle körperlicher Züchtigung tritt die systematische Überwachung und Normierung des Körpers und Geistes in Institutionen wie Gefängnissen, Schulen, Kasernen und Fabriken. Zentral ist das Panoptikum, ein Gefängnismodell von Jeremy Bentham, das durch ständige Beobachtungsmöglichkeit Gehorsam verinnerlicht und Macht automatisiert.
Das Werk thematisiert die Entstehung der „Disziplinargesellschaft“, in der Macht nicht repressiv, sondern produktiv wirkt und Subjekte formt. Obwohl kein expliziter LGBT-Bezug vorhanden ist, gewinnt es für queere Theorie Relevanz: Foucaults Konzepte von Überwachung, Normierung und sexueller Disziplinierung – erweitert in späteren Werken wie der „Geschichte der Sexualität“ – erklären, wie gesellschaftliche Kontrollen abweichende Identitäten pathologisieren und kontrollieren. Es bleibt ein Meilenstein der Macht- und Subjektkritik mit breiter kultureller Bedeutung.
Mehr aus Sachbuch
Rekonstruiert das Leben einer möglicherweise queeren Person innerhalb der spanischen faschistischen Falange-Bewegung.
Protagonist Austin Hardy ist der erste offen schwule Profi bei einem Grand-Slam-Tennisturnier; der Roman handelt bewusst...
Jährliches Fachjahrbuch zu Sexualität mit durchgehend queeren Schwerpunktthemen
Widmet sich Collage als queerer Kunstform mit LGBTQ-Bildmaterial