Das Buch hat keinen direkten LGBT-Bezug, lässt sich aber im weiteren Sinn über Fragen von Begehren, Intimität und abweichenden Beziehungskonstellationen lesen. Für LGBT-Themen ist es daher eher randständig und vor allem aus literarischer Perspektive interessant.
Der Vorleser erzählt die Geschichte des Jugendlichen Michael Berg, der in den 1950er-Jahren eine leidenschaftliche Beziehung zu der deutlich älteren Hanna Schmitz beginnt. Jahre später begegnet er ihr im Zusammenhang mit einem NS-Kriegsverbrecherprozess wieder und muss sich nicht nur mit seiner früheren Liebe, sondern auch mit Schuld, Erinnerung und der deutschen Vergangenheit auseinandersetzen.
Der Roman ist kein LGBT-Buch im engeren Sinn, berührt aber Themen von Sexualität, Begehren und Machtverhältnissen auf eine ungewöhnlich direkte Weise. Gerade die Konstellation einer ungleichen, generationsübergreifenden Beziehung und die Darstellung von Intimität machen das Werk für queere Lesarten interessant. Literarisch gilt Der Vorleser als bedeutender Roman über moralische Ambivalenz, Verdrängung und die schwierige Aufarbeitung historischer Schuld.
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