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Klassiker & Filmgeschichte

Maurice (1987): Forsters unveröffentlichter Roman und sein Film mit glücklichem Ende

4 Min Lesezeit

Bild: Photo by Cara Denison on Pexels (Quelle) · Pexels License

E. M. Forster ließ seinen Roman Maurice zu Lebzeiten unveröffentlicht. 1987 machte James Ivory daraus einen Film mit glücklichem Ende. Wie beides entstand und warum der Film zählt.

Ein Roman, den sein Autor zu Lebzeiten nicht veröffentlichen wollte, erscheint kurz nach dessen Tod und wird 1987 zum Film mit glücklichem Ende: „Maurice“ ist eines der frühen Beispiele dafür, dass queere Liebe im Kino nicht in Tragödie münden muss. Dieser Text erzählt, wie Buch und Film entstanden sind und warum der Film heute noch einen Platz in der Filmgeschichte hat.

Der Roman, der in der Schublade blieb

E. M. Forster schrieb „Maurice“ nach den vorliegenden Angaben 1913 und 1914 und überarbeitete den Text 1932 sowie 1959 und 1960. Veröffentlicht wurde er erst 1971, nach Forsters Tod im Jahr 1970. Zu Lebzeiten wehrte sich Forster gegen eine Veröffentlichung, weil Gesellschaft und Gesetz Homosexualität verurteilten. Auf dem Manuskript soll er die Frage notiert haben: „Publishable, but worth it?“, also „Veröffentlichungsfähig, aber lohnt es sich?“.

Forster wollte ein glückliches Ende, weil er seine Figuren nach realen Menschen gestaltet hatte. Zu Forsters Zeit war Homosexualität in England eine Straftat; das Ende ist deshalb auch eine Setzung gegen das, was das Recht für Männer wie Maurice vorsah.

Worum es geht

Der Film spielt ab 1909. Maurice Hall studiert in Cambridge und verliebt sich in seinen Kommilitonen Clive Durham. Clive besteht darauf, dass die Beziehung nicht sexuell wird, und heiratet später aus gesellschaftlichen Gründen. Maurice findet danach zu Alec Scudder, dem Wildhüter auf Clives Landsitz. Nach einem Missverständnis gibt Alec seinen Plan zur Auswanderung auf und bleibt bei Maurice. Der Film endet mit einem vereinten Paar. (Das Ende wird hier verraten.)

Wie der Film entstand

Regisseur James Ivory hatte nach „Zimmer mit Aussicht“ (1985) Lust auf einen weiteren Forster-Stoff. Die Rechte lagen beim King's College in Cambridge, der Nachlass zeigte sich zunächst zurückhaltend, bis Produzent Ismail Merchant ihn überzeugte. Das Drehbuch schrieben Ivory und Kit Hesketh-Harvey. Drehbuchautorin Ruth Prawer Jhabvala schlug vor, dass die Haft der Figur Risley Clives Hinwendung zur Ehe motiviert. Diese Haft kommt im Roman nicht vor.

Das Budget betrug 1,58 Millionen Pfund, gedreht wurde 54 Tage lang. Innenaufnahmen entstanden im King's College in Cambridge, Wilbury Park in Wiltshire stand für den Landsitz Pendersleigh. In den Hauptrollen spielen James Wilby, Hugh Grant und Rupert Graves.

Auszeichnungen und Aufnahme

Die Premiere fand am 5. September 1987 bei den Filmfestspielen von Venedig statt. Ivory erhielt den Silbernen Löwen für die beste Regie, Wilby und Grant teilten sich den Preis als bester Darsteller, und Richard Robbins bekam die Goldene Osella für die Musik. Für den Oscar wurde der Film in einer Kategorie nominiert: Kostümdesign.

Die Kritik fiel unterschiedlich aus. Auf Rotten Tomatoes liegt der Film bei 82 Prozent positiven Kritiken von 33 Kritikerinnen und Kritikern. Roger Ebert gab drei von vier Sternen. In Großbritannien fiel die Aufnahme gemischter aus: Die „Times“ fragte, ob man den Film „während einer eskalierenden AIDS-Krise“ begrüßen solle. Ivory führte schlechte Kritiken auf schwule Kritiker zurück, die aus seiner Sicht Angst hatten, sich solidarisch zu zeigen. Spätere Rückblicke beschrieben den Film als wegweisend für das schwule Kino.

Heute schauen

2017 kam zum 30. Jubiläum eine 4K-Restaurierung in die US-Kinos, und im September 2017 erschien eine Blu-ray von Cohen Media Group. Eine Spezialausgabe auf DVD mit entfernten Szenen und Kommentar gab es schon 2002. Wo der Film aktuell in Deutschland zu sehen ist, ändert sich laufend; prüfe das bei den üblichen Streaming-Suchportalen.

Warum er zählt

Wer „Maurice“ sieht, bekommt ein Stück Zeitgeschichte zu sehen: Das England von 1909, in dem Liebe zwischen Männern strafbar war, und eine Produktion von 1987, die ein glückliches Ende wählte. Wer Forsters Roman liest, entdeckt, dass die Hoffnung schon 1914 auf dem Papier stand.

Wer mehr über den Hintergrund lesen will, findet ihn im Wikipedia-Artikel zum Film, auf den sich dieser Text stützt. Er ist als Einstieg brauchbar, ersetzt aber keine Filmkritik und keine Forster-Biografie.

Stand der Angaben: Oktober 2026.

Häufige Fragen

1971, nach Forsters Tod 1970. Geschrieben hat er ihn nach den vorliegenden Angaben 1913 und 1914.
James Ivory führte Regie, Ismail Merchant produzierte. In den Hauptrollen spielen James Wilby, Hugh Grant und Rupert Graves.
Ja. Forster wollte ein glückliches Ende, und der Film endet mit einem vereinten Paar.
In Venedig 1987 den Silbernen Löwen für die Regie, einen gemeinsamen Darstellerpreis für Wilby und Grant sowie die Goldene Osella für die Musik. Für den Oscar war er in der Kategorie Kostümdesign nominiert.

Quellen

  1. en.wikipedia.org · Maurice_(1987_film)
Maurice E. M. Forster James Ivory Filmgeschichte Venedig 1987 Hugh Grant Queeres Kino

Zuletzt geprüft: 23. Oktober 2026

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