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Lesbisches Kino: Wichtige Filme und Regisseurinnen

Lesbisches Kino: Wichtige Filme und Regisseurinnen
24.06.2026 · 4 Min Lesezeit

Von "Mädchen in Uniform" bis "Portrait de la jeune fille en feu": die wichtigsten lesbischen Filme und die Regisseurinnen, die das Genre geprägt haben.

Lange war lesbisches Begehren auf der Leinwand vor allem ein Versprechen, das nie eingelöst wurde: angedeutet, bestraft oder ganz weggeschnitten. Dass das heute anders ist, verdankt sich einer Reihe von Filmen und vor allem Regisseurinnen, die ihre eigenen Geschichten erzählt haben, statt sie erzählen zu lassen. Wer die Schlüsselwerke kennt, versteht nicht nur einzelne Liebesgeschichten, sondern eine ganze Linie von Sichtbarkeit, die sich über fast hundert Jahre zieht.

Wo das lesbische Kino beginnt

Der gängige Ausgangspunkt ist "Mädchen in Uniform" aus dem Jahr 1931. Der deutsche Film unter der Regie von Leontine Sagan spielt in einem preußischen Internat und erzählt von der Zuneigung einer Schülerin zu ihrer Lehrerin. Bemerkenswert ist nicht nur das Thema, sondern die Haltung dahinter: Das Begehren wird nicht als Krankheit verhandelt, die autoritäre Schule erscheint als das eigentliche Problem. Trotz Zensur und Verboten in mehreren Ländern überlebte der Film und gilt vielen als erster offen lesbischer Spielfilm überhaupt.

Danach wurde es still. Hollywood legte sich mit dem Hays Code selbst einen Maulkorb an, der Homosexualität über Jahrzehnte aus dem Erzählbaren verbannte. Queere Figuren tauchten höchstens verschlüsselt auf, als Andeutung, als Bedrohung, als tragisches Beiwerk. Wie diese Mechanik im Detail funktionierte, lohnt einen eigenen Blick auf die Geschichte von Zensur und dem Hays Code in Hollywood.

Der Durchbruch: lesbische Liebe ohne Strafe

Ein echter Wendepunkt kam 1985 mit "Desert Hearts". Regisseurin Donna Deitch verfilmte Jane Rules Roman und erzählt die Affäre zwischen einer Literaturprofessorin und einer jüngeren Casino-Angestellten im Reno der späten 1950er. Das Besondere: Die beiden Frauen werden weder bestraft noch geheilt, und das Ende bleibt offen statt tödlich. Deitch finanzierte das Projekt über Jahre selbst zusammen, weil kein Studio einlenkte. Heute gilt der Film als einer der ersten, der lesbisches Begehren ohne Sensationslust und ohne moralisches Nachspiel zeigt.

Elf Jahre später kam "Bound" (1996) von Lana und Lilly Wachowski, ein Neo-Noir-Thriller, in dem ein lesbisches Paar die Mafia austrickst. Gershon und Tilly spielen Corky und Violet als handlungsfähige Heldinnen eines Genrefilms, nicht als Opfer. Im selben Jahr drehte Cheryl Dunye mit "The Watermelon Woman" den ersten Spielfilm einer schwarzen lesbischen Regisseurin und machte daraus zugleich einen Kommentar über das Auslöschen schwarzer queerer Lebensgeschichten aus dem Filmarchiv.

Regisseurinnen, die das Genre geprägt haben

Lesbisches Kino lebt davon, dass Frauen hinter der Kamera stehen. Einige Namen tauchen immer wieder auf:

  • Céline Sciamma – die Französin verhandelt in "Water Lilies", "Tomboy" und vor allem "Portrait de la jeune fille en feu" (2019) Begehren und Geschlecht als etwas Bewegliches. "Portrait" gewann in Cannes die Queer Palm und das beste Drehbuch.
  • Dee Rees – ihr Debüt "Pariah" (2011) erzählt das Coming-out einer schwarzen Jugendlichen in Brooklyn aus nächster Nähe. Später folgte das vierfach oscarnominierte "Mudbound".
  • Patricia Rozema – die Kanadierin öffnete mit "I've Heard the Mermaids Singing" (1987) und "When Night Is Falling" eine Tür im Arthouse-Kino, lange bevor es Mode wurde.
  • Donna Deitch – ohne "Desert Hearts" wäre vieles, was danach kam, kaum denkbar.

Diese Liste ließe sich verlängern. Einen breiteren Überblick über prägende Stimmen bietet der Beitrag zu den wichtigen queeren Regisseurinnen und Regisseuren.

Wenn der Blick zählt: "Carol" und "Portrait"

Zwei Filme der 2010er stehen oft stellvertretend für ein reifer gewordenes lesbisches Kino. "Carol" (2015) von Todd Haynes verfilmt Patricia Highsmiths Roman "The Price of Salt" und zeigt mit Cate Blanchett und Rooney Mara eine Liebe im New York der 1950er, getragen von Blicken statt von großen Worten. Haynes ist selbst nicht lesbisch, traf den Ton der Vorlage aber so genau, dass der Film längst zum Kanon gehört.

Sciammas "Portrait de la jeune fille en feu" setzt dem eine eigene Idee entgegen: Eine Malerin soll heimlich eine junge Frau porträtieren, und aus dem Beobachten wird Begehren auf Augenhöhe. Der Film fragt, wer hier eigentlich wen ansieht, und löst damit das alte Problem des männlichen Blicks im Frauenfilm auf elegante Weise. Beide Werke tauchen regelmäßig in Listen der wichtigsten queeren Filmklassiker auf.

Streit und Schattenseiten

Nicht jeder vielbeachtete Film gilt als gelungen. "Blue Is the Warmest Colour" (2013) gewann in Cannes die Goldene Palme, löste aber eine anhaltende Debatte aus: Kritisiert wurde, dass ein heterosexueller Regisseur lesbische Sexualität inszeniert, und die beiden Hauptdarstellerinnen sprachen öffentlich über schwierige Dreharbeiten. Genau solche Auseinandersetzungen zeigen, warum die Frage, wer eine Geschichte erzählt, im lesbischen Kino so viel Gewicht hat.

Daneben wirken ältere Erzählmuster bis heute nach. Das problematische Klischee, queere Figuren reihenweise sterben zu lassen, hat einen eigenen Namen bekommen und ist gut dokumentiert im Text zu "Bury Your Gays". Wer einsteigen will, ohne sich durch die schweren Stoffe zu arbeiten, findet im Überblick zu queerem Coming-of-Age-Kino leichter zugängliche Filme übers Erwachsenwerden.

Häufige Fragen

Welcher Film gilt als erster lesbischer Spielfilm?

Meist wird "Mädchen in Uniform" von 1931 unter der Regie von Leontine Sagan genannt. Der deutsche Film zeigt die Zuneigung einer Internatsschülerin zu ihrer Lehrerin und behandelt das Begehren nicht als Krankheit. Trotz Zensur in mehreren Ländern blieb er erhalten und gilt vielen als Ausgangspunkt des lesbischen Kinos.

Warum ist "Desert Hearts" so wichtig?

Donna Deitchs Film von 1985 erzählt eine lesbische Liebesgeschichte, in der die Frauen weder bestraft noch geheilt werden, mit offenem statt tödlichem Ende. Das war für seine Zeit ungewöhnlich, weil queere Figuren bis dahin meist tragisch endeten. Deitch finanzierte das Projekt über Jahre selbst, weil kein Studio einstieg.

Welche Regisseurinnen prägen das lesbische Kino?

Zu den einflussreichsten zählen Céline Sciamma ("Portrait de la jeune fille en feu"), Dee Rees ("Pariah"), Patricia Rozema ("When Night Is Falling") und Donna Deitch ("Desert Hearts"). Sie alle erzählen lesbische Geschichten aus einer Innenperspektive statt aus distanzierter Beobachtung.

Worum geht es in "Portrait de la jeune fille en feu"?

Céline Sciammas Film von 2019 spielt im Frankreich des späten 18. Jahrhunderts. Eine Malerin soll heimlich eine junge Adlige porträtieren, und aus dem Beobachten entsteht eine Liebe auf Augenhöhe. Der Film gewann in Cannes die Queer Palm und das beste Drehbuch und gilt als modernes Schlüsselwerk.

Warum wird "Blue Is the Warmest Colour" kritisch gesehen?

Der Film gewann 2013 in Cannes die Goldene Palme, löste aber Debatten aus. Kritisiert wurde, dass ein heterosexueller Regisseur lesbische Sexualität inszeniert, und die beiden Hauptdarstellerinnen berichteten öffentlich von belastenden Dreharbeiten. Die Diskussion dreht sich vor allem um die Frage, wer eine queere Geschichte erzählen darf.

Welcher lesbische Film eignet sich zum Einstieg?

Für einen sanften Einstieg eignen sich "Carol" mit seiner ruhigen Liebesgeschichte und "Portrait de la jeune fille en feu" mit seinen klaren Bildern. Wer es leichter mag, findet im queeren Coming-of-Age-Kino zugänglichere Filme übers Erwachsenwerden. "Desert Hearts" lohnt sich für alle, die die Wurzeln des Genres verstehen wollen.

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