Sean Penn gewann für die Rolle den Oscar – aber wie nah bleibt der Film an der echten Geschichte von Harvey Milk? Ein Blick auf Besetzung, Quellen und die Briggs-Initiative im Hintergrund.
„Milk“ aus dem Jahr 2008 erzählt die Geschichte von Harvey Milk, dem ersten offen schwulen Mann in einem bedeutenden politischen Amt in den USA. Regisseur Gus Van Sant drehte weite Teile des Films in San Francisco – teilweise direkt an Milks früherem Kamerageschäft im Castro-Viertel, das im Film als „Castro Camera“ zum politischen Treffpunkt wird.
Sean Penn spielt Harvey Milk und gewann dafür den Oscar als bester Hauptdarsteller. Josh Brolin verkörpert Dan White, den konservativen Stadtrat, der Milk und Bürgermeister George Moscone erschoss. James Franco spielt Milks Partner Scott Smith, Emile Hirsch den jungen Aktivisten Cleve Jones. Diego Luna übernimmt die Rolle von Jack Lira, einem späteren, psychisch instabilen Partner Milks.
Drehbuchautor Dustin Lance Black stützte sich auf eigene Recherchen und Interviews mit Weggefährt:innen Milks sowie auf Randy Shilts' Biografie „The Mayor of Castro Street“ – bis heute eine der wichtigsten Quellen zu Milks Leben. Für das Drehbuch erhielt Black seinen eigenen Oscar, in der Kategorie bestes Originaldrehbuch.
Der Film zeigt Milks Weg vom New Yorker Versicherungsangestellten zum Politiker: seinen Umzug nach San Francisco, die Eröffnung des Kamerageschäfts, mehrere gescheiterte Wahlkampagnen und schließlich den Sieg bei der Wahl zum Stadtrat (Board of Supervisors) von San Francisco. Ein zentraler Handlungsstrang ist Milks Kampf gegen die sogenannte Briggs-Initiative (Proposition 6), eine kalifornische Volksabstimmung, die schwulen und lesbischen Lehrkräften sowie deren Unterstützer:innen die Arbeit an öffentlichen Schulen verbieten sollte. Die Initiative scheiterte deutlich an der Wahlurne – auch dank Milks Kampagne.
„Milk“ erhielt acht Oscar-Nominierungen, darunter für den besten Film und die beste Regie. Gewonnen hat er zwei: für Sean Penn und für Dustin Lance Black. Auf Rotten Tomatoes bekam der Film überwiegend positive Kritiken; einige Rezensent:innen bemängelten allerdings, dass der Film komplexere Seiten von Milks politischer Arbeit vereinfache und sich stark auf die letzten Jahre seines Lebens konzentriere.
Wer sich für die reale Geschichte hinter dem Film interessiert: San Francisco hat Harvey Milk mehrfach im Stadtbild verankert. Der frühere Standort von Castro Camera erinnert bis heute an ihn, und ein Teil der Castro Street trägt seinen Namen.