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LGBTQ+ Filme bei den Oscars

LGBTQ+ Filme bei den Oscars
24.06.2026 · 4 Min Lesezeit

Von William Hurt über Brokeback Mountain bis Moonlight: ein Streifzug durch die queere Oscar-Geschichte – Siege, Snubs und die Debatte ums Casting.

Lange Zeit kamen queere Figuren bei den Academy Awards bestenfalls als tragische Randnotiz vor. Erst nach und nach rückten sie ins Zentrum prämierter Filme – und manchmal blieb der wichtigste Preis trotzdem aus. Wer die Oscar-Geschichte queerer Stoffe nachzeichnet, liest deshalb auch eine Geschichte von Durchbrüchen, Auslassungen und hart umkämpften Momenten.

Der erste Oscar für eine offen schwule Rolle

1986 gewann William Hurt den Oscar als bester Hauptdarsteller für Kiss of the Spider Woman. Sein Molina, ein schwuler Schaufensterdekorateur, der sich eine Zelle mit einem politischen Häftling teilt, war die erste offen homosexuelle Figur, für die ein Hollywood-Star die Trophäe mit nach Hause nahm. Damit verschob sich, was die Academy überhaupt als preiswürdig ansah.

Es folgten weitere viel beachtete Auszeichnungen. Tom Hanks bekam 1994 den Hauptdarsteller-Oscar für Philadelphia, in dem er einen an AIDS erkrankten Anwalt spielt. Fünfzehn Jahre später wurde Sean Penn für seine Verkörperung des Aktivisten Harvey Milk in Milk ausgezeichnet. Wie das Kino diese Epoche erzählte, vertieft unser Artikel über AIDS im Film.

Brokeback Mountain: acht Nominierungen, kein Best Picture

Kaum eine Oscar-Nacht steht so sehr für das Auf und Ab queerer Stoffe wie die von 2006. Ang Lees Brokeback Mountain ging mit acht Nominierungen ins Rennen, gewann den Regie-Oscar – und unterlag beim Hauptpreis dem Ensemblefilm Crash. Für viele blieb das eine der umstrittensten Entscheidungen der Academy.

Die Geschichte zweier Cowboys, die über Jahre eine verheimlichte Liebe leben, traf einen Nerv und prägte das Hollywood-Kino nachhaltig. Brokeback Mountain steht heute neben anderen queeren Filmen, die Filmgeschichte schrieben, und gilt als Wendepunkt für die Sichtbarkeit gleichgeschlechtlicher Liebe im Mainstream.

Moonlight – der erste queere Best-Picture-Sieger

Erst 2017 fiel die letzte große Hürde. Moonlight von Barry Jenkins gewann als erster Film mit queerer Hauptfigur den Oscar für den besten Film. Die Geschichte eines jungen Schwarzen Mannes, erzählt in drei Lebensphasen, holte zusätzlich den Preis für das beste adaptierte Drehbuch sowie einen Nebendarsteller-Oscar für Mahershala Ali.

Bemerkenswert ist die Verkündung selbst: Zunächst wurde versehentlich La La Land als Sieger ausgerufen, ehe sich der Irrtum live auf der Bühne klärte. Bis heute bleibt Moonlight der einzige Film mit klar queerer Hauptfigur, der den wichtigsten Oscar gewann – ein Status, der die Seltenheit solcher Erfolge unterstreicht.

Wer spielt – und wer wird gespielt

Auffällig ist, wie oft heterosexuelle und cisgeschlechtliche Schauspielende für queere Rollen geehrt wurden. Charlize Theron, Nicole Kidman, Natalie Portman und Rami Malek zählen zu jenen, die für die Darstellung von LGBTIQ-Figuren einen Oscar gewannen. Genau diese Häufung hat eine langjährige Debatte über Authentizität und Castingpraxis befeuert.

Offen queere Gewinnerinnen und Gewinner blieben dagegen lange die Ausnahme. Die wenigen, die beim Sieg geoutet waren – etwa John Gielgud, Linda Hunt, Angelina Jolie und Ariana DeBose – wurden ausnahmslos in den Nebenrollen-Kategorien prämiert. Wie schwer der Schritt vor die Kamera fällt, zeigt unser Beitrag über das Coming-out in Hollywood.

Trans Sichtbarkeit und offene Lücken

Bei den offen schwulen Hauptdarstellern bleibt die Bilanz dünn. Ian McKellen erhielt seine Nominierungen, nachdem er sich geoutet hatte; 2024 wurde Colman Domingo für seine Rolle als Bürgerrechtler Bayard Rustin in Rustin nominiert. Solche Momente sind die Ausnahme, nicht die Regel.

2025 setzte Karla Sofía Gascón ein Zeichen: Als erste offen trans Person überhaupt wurde sie in einer Schauspiel-Kategorie nominiert – als beste Hauptdarstellerin für das Musical Emilia Pérez. Wie das Kino trans Figuren erzählt und besetzt, ordnet unser Text zur Trans Repräsentation im Film ein. Wer die prämierten Werke selbst sehen will, findet Empfehlungen unter queeren Filmklassikern und im Überblick aller queeren Filme.

Häufige Fragen

Welcher Film mit queerer Hauptfigur gewann als erster den Oscar für den besten Film?

Moonlight von Barry Jenkins gewann 2017 als erster Film mit queerer Hauptfigur den Oscar für den besten Film. Der Film holte außerdem den Preis für das beste adaptierte Drehbuch und einen Nebendarsteller-Oscar für Mahershala Ali. Bis heute ist Moonlight der einzige Best-Picture-Sieger mit klar queerer Hauptfigur.

Wer gewann den ersten Oscar für die Darstellung einer offen schwulen Figur?

William Hurt erhielt 1986 den Oscar als bester Hauptdarsteller für seine Rolle des schwulen Molina in Kiss of the Spider Woman. Er war damit der erste Hollywood-Star, der für eine offen homosexuelle Figur ausgezeichnet wurde. Spätere Siege gab es unter anderem für Tom Hanks in Philadelphia und Sean Penn in Milk.

Warum gilt die Oscar-Niederlage von Brokeback Mountain als so umstritten?

Ang Lees Brokeback Mountain ging 2006 mit acht Nominierungen ins Rennen und galt vielen als Favorit auf den besten Film. Der Hauptpreis ging jedoch an Crash, während Brokeback Mountain den Regie-Oscar gewann. Diese Entscheidung wird bis heute als eine der strittigsten der Academy-Geschichte diskutiert.

Wurden Oscars öfter an heterosexuelle Schauspielende für queere Rollen vergeben?

Ja, das ist ein wiederkehrendes Muster. Charlize Theron, Nicole Kidman, Natalie Portman und Rami Malek gehören zu den heterosexuellen Stars, die für die Darstellung queerer Figuren einen Oscar gewannen. Diese Häufung hat eine anhaltende Debatte über Authentizität und Castingpraxis ausgelöst.

Wurde schon einmal eine offen trans Person für einen Schauspiel-Oscar nominiert?

2025 wurde Karla Sofía Gascón als erste offen trans Person überhaupt in einer Schauspiel-Kategorie nominiert. Die Nominierung als beste Hauptdarstellerin galt ihrer Rolle im Musical Emilia Pérez. Damit fiel eine weitere historische Grenze bei den Academy Awards.

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