Sebastiane

Typ
Film
Genre
Drama, Erotik, Historienfilm
Jahr
1976
Laufzeit
86 Minuten

„Sebastiane“ (1976) ist das kontroverse Regiedebüt des britischen Künstlers Derek Jarman, der gemeinsam mit Paul Humfress die Geschichte des Heiligen Sebastian als queeres Märtyrerdrama inszeniert. Der Film, vollständig in lateinischer Sprache gedreht, spielt im römischen Reich um 303 n. Chr. Der Gardist Sebastiane fällt beim Kaiser Diokletian in Ungnade, als er gegen die Exekution christlicher Paare protestiert, und wird in eine abgelegene Küstengarnison verbannt.

Dort vertreiben sich die Soldaten in der Hitze mit erotischen Spielen, Schwertkämpfen und Körperpflege. Sebastiane, gespielt von Leonardo Treviglio, widmet sich der Verehrung des Sonnengottes Apollo und weigert sich am Kampf teilzunehmen. Der sadistische Hauptmann Severus verliebt sich heimlich in ihn, doch Sebastiane erwidert diese Gefühle nicht. Stattdessen bekennt er sich zum Christentum, was zu Folter, Peinigung und schließlich seinem ikonischen Tod durch Pfeile führt. Die Szenen betonen den malträtierten, doch ekstatisch genießenden Körper Sebastians, mit Anklängen an BDSM und homoerotische Spannungen.

Als Meilenstein des queeren Kinos entlarvt der Film latente Homosexualität in traditionellen Bibelverfilmungen und etablierte Sebastian als schwule Ikone. Die expliziten Nacktszenen und die dekadente Ästhetik lösten bei der Uraufführung einen Skandal aus und prägten die queere Filmgeschichte nachhaltig.

Queerer Bezug: „Sebastiane“ ist ein Pionierwerk des queeren Kinos, das das Martyrium des Heiligen Sebastian als homoerotische Geschichte über unerwiderte Liebe, Homophobie und sadistische Begierde interpretiert. Der Film etablierte Sebastian als schwule Ikone und löste durch explizite Darstellungen einen Skandal aus.

Besetzung